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Wie teuer ist Work-and-Travel in Irland?

"Wie viel hat dich dein Work-and-Travel in Irland gekostet?" "Hast du viel Geld ausgegeben?" "Wie viel Geld denkst du, muss ich eigentlich einplanen?" Das sind nur ein paar Beispiele der Fragen, die mich immer wieder von Leuten erreichen, die auch ein Work-and-Travel in Irland planen. Häufig hinter her geschoben von "Ich weiß über Geld spricht man nicht, aber...". Doch darüber spricht man! Und zwar genau hier in diesem Beitrag. 

Um direkt vorweg jegliche Hoffnung und Illusion zu nehmen: Es gibt keinen Pauschalbetrag, den man für seine Work-and-Travel Zeit in Irland braucht. So eine Reise ist individuell und deshalb natürlich auch die Kosten und das gesparte Vermögen. Ich kann mich lediglich an meiner Reise orientieren und euch so hoffentlich ein kleines bisschen helfen. Dieser Artikel soll euch zeigen, wo die Preisunterschiede zwischen Irland und Deutschland liegen, wie Kosten für Unterkunft und Essen gespart werden können, wie man viel erleben kann ohne viel auszugeben und wie viel Geld ich ausgegeben habe. 

Vor ab ist für diesen Beitrag folgendes wichtig zu wissen: Ich habe kein Work-and-Travel im klassischen Sinne gemacht, sondern Volunteering. Ich habe für Kost und Logis gearbeitet und bin von meinem Ersparten gereist.

Preise in Irland

Die Republik Irland gehört anders als Nordirland nicht zu Großbritannien und hat nicht wie fälschlicher Weise von vielen angenommen das britische Pfund als Währung, sondern Euro. Dennoch ist auch Irland eine kleine Insel, viele Produkte werden nicht vor Ort produziert, sondern aus Europa importiert. Dadurch sind viele Dinge teurer, als bei uns. Umgehauen haben mich vor allem die Preise für Pflegeartikel wie Duschgel, Shampoo oder  Hygieneartikel für Frauen. Häufig kosten Duschgel und Shampoo über drei Euro, es gibt keine günstigen Eigenmarken wie Balea von dm oder Isana von Rossmann. Verhältnismäßig günstig sind solche Dinge in Lebensmitteldiscountern. 

Günstig dagegen waren Prepaid-Karten in Irland. Ich hatte damals (keine Ahnung, ob es dieses Angebot heute so noch gibt) eine Prepaid-Karte von Tesco, mit dem ich für fünf Euro monatlich zwei GB Internet hatte und innerhalb Irlands kostenlos telefonieren konnte. Wobei sich das heute beim kostenlosen Roaming innerhalb der EU vermutlich sowieso erledigt hat. 

 

Öffentlicher Nahverkehr in Irland ist weitaus günstiger als in Irland, wenn man mit dem Bus fährt. Das Bahnnetz ist nicht so gut ausgebaut, führt nur von Dublin in die größeren Städte und ist immer noch ziemlich teuer. Für Tagesausflüge ab Dublin an die Dubloin Bay oder die umliegenden Berge ist die DART eine günstige Möglichkeit. Für weitere Strecken gibt es zum einen den städtischen Busanbieter Bus Éireann und viele Privatunternehmen, ähnlich wie Flixbus in Deutschland. Der bekannteste ist Citylink. Wer online bucht, spart häufig gegenüber dem Preis im Bus und weiß sicher, dass er mit reinpasst (denn Sitzplätze in Überlandbussen sind bekanntlich begrenzt). Preisbeispiel: Dublin - Galway (also von Ost nach West quer über die Insel, 200km) oder Dublin - Cork (Ost nach Süd, 300km) kostet im Schnitt etwa 15 Euro. 

Snacks zwischendurch, wenn man kein Lunchpaket dabei hat: abgepackte Sandwiches gibt es im Supermarkt zwischen 3,50 bis 5 Euro. Fish & Chips kosten ähnlich. Für Übernachtungen im Hostel, 6er bis 8er Damenschlafsaal, habe ich im Schnitt zwischen zehn und fünfzehn Euro pro Nacht gezahlt.

Volunteering: Arbeiten für Essen und Unterkunft

Dazu ist es erst einmal prinzipiell wichtig zu wissen, dass ich keine bezahlten Jobs in Irland angenommen haben, sondern Volunteering per Workaway gemacht habe. Das bedeutet ich habe für Essen und Unterkunft gearbeitet. So habe ich längere Zeit an einem Ort verweilen können, ohne für die beiden elementarsten Dinge Geld auszugeben. Da für beides auf Reisen das meiste Geld drauf geht, habe ich so viel Sparen können. Es gibt auch andere Volunteering-Plattformen, eine Übersicht findet ihr hier (Stand 2015). So viel zur Theorie. In der Praxis hat das nicht ganz funktioniert. Meine erste Station war ein Hostel, dort gab es für uns nur Frühstück inklusive, ganz selten auch mal Mittagessen. In diesen sechs Wochen musste ich also für mein Mittag- und Abendessen selbst sorgen (und natürlich selbst bezahlen). Das war eine schöne Zeit, aber auch ein bisschen Lehrgeld. Meine nächsten beiden Anlaufstellen waren ein B&B und ein Motel mit Pub, die jeweils von einem Paar geführt wurden, das mich komplett mit in die Familie aufgenommen und wie ein eigenes Kind versorgt hat. Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie Snacks zwischendurch, alles wurde bezahlt. Bei einer Familie konnte ich auch das Trinkgeld der Gäste behalten, sodass es sogar ein kleines Taschengeld gab. Auch Eintritte und Pubbesuche wurden hin und wieder bezahlt. So musste ich also in der ersten Zeit mehr bezahlen, als in der letzten Zeit. Allerdings gilt auch hier: Das ist individuell vom Host abhängig.

Essen und Unterkunft während der Reisen

Meist habe ich sechs Wochen gearbeitet, um dann ein bis zwei Wochen zu reisen. Das Geld, was ich vorher also an Unterkunft und Essen gespart habe, habe ich danach mehrere Tage am Stück ausgegeben. Wer rechtzeitig nach Hostels schaut, vergleicht und frühzeitig bucht, kann meiner Meinung nach nicht nur Nerven schonen, sondern auch Geld sparen. Denn wie überall gilt auch bei Hostels: Je früher, desto günstiger. Und natürlich desto mehr Kapazitäten. Meine persönliche Erfahrung ist, dass Hostelworld immer etwas günstiger ist, als andere Hostelportale. Ich habe alles darüber gebucht. Genauso wichtig: Essen! Ich liebe Essengehen. Ein Luxus, den ich mir während meiner fünfeinhalb Monate genau drei Mal geleistet habe. Ich wollte lieber länger reisen und mir hin und wieder ein schönes Souvenir (z.B. ein besonderes Schmuckstück, ein besonderes Kleidungsstück,...) gönnen. Ich bin lieber ins Kino gegangen und habe noch viel lieber Geld in den vielen süßen kleinen Cafés und im Pub gelassen, als für Essen. Deshalb war meine Devise: Selbstverpflegung. So gut es ging habe ich im Hostel gut gefrühstückt und mir selbst immer Sandwiches oder Bagels für unterwegs geschmiert, hatte immer einen Apfel im Rucksack und meine Wasserflasche zum Auffüllen dabei. Abends bin ich dann rechtzeitig ins Hostel zurückgekehrt und habe in den Gemeinschaftsküchen gekocht. (Ja, es gab sehr viel Nudeln mit Soße und Reis mit Gemüse! :D) Die Gemeinschaftsküchen können eine Pfundgrube sein: Überall gibt es das "free food", also eine Sammelstelle, an denen Gäste vor der Abreise ihr übriges noch haltbares Essen (wie Obst und Gemüse, Nudeln, Kräuter, ...) für neue Gäste bereitstellen können. Wer doch lieber Essen geht: Mittags gibt es Mittagsangebote, häufig gibt es auch Studentenangebote (student deals, meal deals). Einfach fragen! Das gleiche gilt übrigens auch für Bekleidungs- und Schuhläden. Auch hier gibt es oft Studentenrabatte, meistens muss man nicht einmal den Ausweis zeigen.

Geld sparen: (Ver)günstige und kostenlose Attraktionen

Um möglichst viel zu sehen, aber möglichst wenig zu bezahlen, habe ich versucht, so viele kostenfreie Touristenangebote zu nutzen, wie möglich. In jeder Stadt werden kostenlose Stadtführungen angeboten, häufig sogar vom Hostel selbst. Einfach an der Rezeption fragen oder in der Stadt die Augen aufhalten nach "free walking tours". Am Ende kann jeder so viel Geld bezahlen wie kann oder möchte. Viele Museen, meist stadtgeschichtliche/historische Museen und viele Kunstmuseen in Irland sind kostenfrei. Eine gute Alternative an regnerischen Tagen. Manche Attraktionen wie Burgen oder besondere Museen müssen leider dennoch bezahlt werden. Wer noch einen gültigen Schüler- oder Studentenausweis hat, sollte den bei jedem Museum oder sonstiger Sehenswürdigkeit auf jeden Fall vorzeigen, denn auch so lassen sich ein paar Euros sparen. Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich einen internationalen Studentenausweis besorgen: www.isic.de Doch auch hier lohnt es sich, im Hostel nachzufragen. Vor allem größere Hostels bieten an, Eintrittskarten über das Hostel zu erwerben, um so Rabatte zu bekommen.

Kassensturz: Was habe ich bezahlt?

Das ist vermutlich, was euch am meisten interessiert und doch ist es am schwierigsten zu beantworten. Ich war von Ende Februar bis Ende Juli 2015 unterwegs, etwa fünfeinhalb Monate. Damals habe ich alle meine Ausgaben in einer App festgehalten, doch vier Jahre und zwei Smartphones später habe ich darauf keinen Zugriff mehr. Anders als viele, die z.B. Work-and-Travel in Australien machen, habe ich keine bezahlten Jobs angenommen, sondern von vorne herein geplant, Volunteering zu machen. Ich wusste also, ich muss von meinem ersparten Leben. Angespart hatte ich im Vorfeld 4.000 Euro (ein Jahr eisernes Sparen während meiner Ausbildung sowie kurz vor Abflug hier und da noch etwas Geld von meiner Familie). Ich habe ca. 3.000 Euro ausgegeben. Runtergerechnet wären das 500 Euro pro Monat. Das kann man so allerdings nicht sagen. Am Ende war ich noch knapp zwei Monate in Nordirland und Schottland unterwegs und zu dem Zeitpunkt stand das britische Pfund sehr hoch, sodass der Wechselkurs recht hoch war, wodurch vieles teurer wurde, als eingeplant, wie z.B. die Übernachtungen. Am Anfang der Reise war ich auch sparsamer, obwohl oder vielleicht gerade weil ich mein Essen im Hostel selbst kaufen musste. In der Zeit habe ich ansonsten kaum Geld ausgegeben. Je länger ich unterwegs war, desto mehr merkte ich, dass ich mit meinem Geld richtig gut klar komme und das sogar für einen noch längeren Zeitraum reichte. Also habe ich auch immer mehr ausgegeben für Dinge, die ich vorher als unnötigen Luxus empfunden habe: Ich war in jeder größeren Stadt im Kino, habe mir noch häufiger leckere Scones und heiße Schokolade mit Marshmallows in den unzähligen süßen Cafés gegönnt und habe vor allem viel Geld für Postkarten und Klamotten ausgegeben. Klamotten? Ja! Ich hatte nur das nötigste für die knapp sechs Monate eingepackt. Wenn man eine Hose fast jeden Tag trägt, nutzt sie sich schneller ab. Wenn man fünf Oberteile im Wechsel anhat, kann man sie irgendwann nicht mehr sehen bzw. wenn man auch alles in eine Waschmaschine schmeißt und ständig alles durcheinander wäscht, sehen sie auch einfach nicht mehr schön aus. Und so habe ich mehr oder weniger meinen kompletten Rucksackinhalt während der Reise ausgetauscht. :-D Das sind natürlich alles Ausgaben, die ich hätte sparen können. Außerdem bin ich während meiner Zeit noch einmal für zwei Konzerte meiner Lieblingsband, die nach mehrjähriger Pause auf Tour war, noch einmal nach Deutschland gereist. Das hat ein Loch in mein Budget gerissen. Mit meinem damaligen Freund habe ich auch eine Woche Urlaub in Galway gemacht in einer eher teuren Ferienwohnung, die mich so viel gekostet hat wie fast zwei Wochen in Hostels zu schlafen. Hätte ich all das gespart, wäre ich sicherlich auch mit 2.000 Euro hingekommen. Aber ich habe das natürlich auch als einmaliges Erlebnis gesehen, etwas, das sich im Leben so schnell nicht wiederholt und habe auch (er)leben wollen und zu diesem Zeitpunkt gerne mein Geld für diese Dinge ausgegeben. 

Fazit: Und nun? Wie viel Geld muss ich einplanen?

Leider kann ich darauf wie schon zu Anfang gesagt, keine zufriedenstellende Antwort geben. Ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag klar machen, von wie vielen individuellen Faktoren die Kosten für so eine Reise abhängen:

  • bezahlte Jobs oder Volunteering?
  • bei Volunteering: übernimmt die Gastfamilie/der Host alles, oder habe ich eigene Anteile?
  • Essengehen vs. Lunchpakete
  • kostenfreie Attraktionen oder Eintritt?
  • bin ich ein sparsamer Mensch oder will ich mir viel gönnen?

All das sollte man im Hinterkopf haben. Ich war damals mit meiner besten Freundin unterwegs, sie hatte deutlich weniger ansparen können und auch sie hat sich die Reise komplett leisten können. Bei ihr sind z.B. keine Kosten für eine teure Ferienwohnung oder Konzerte angefallen. Dafür war sie am Ende noch einige Tage ohne mich in London. Ich hoffe, meine Erfahrungen und Tipps konnten euch helfen. Ansonsten schreibt mir sehr gerne über Social Media oder das Kontaktformular.

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