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How to: Auslandspraktikum

Im vierten Semester für mindestens drei Monate ins Ausland gehen. So heißt es in meiner Studienordnung. Ob für ein Auslandssemester oder ein Auslandspraktikum, ob Europa oder weltweit - das alles ist uns selbst überlassen. Während ich schon die Tage bis zu meiner Abreise zähle, haben viele meiner Kommilitonen noch gar keine Ahnung, wohin es gehen soll und was sie dafür alles organisieren müssen. Dabei ist das gar nicht so schwer! Und das zeige ich euch jetzt einmal an meinem Beispiel. 

Vorbereitungen für meine Zeit in Spanien.
Vorbereitungen für meine Zeit in Spanien.

Vielleicht gleich vorweg: Ich habe mich für einen Aufenthalt in Europa entschieden. Zum einen lässt sich das Finanzieren, zum anderen ist der Organisationsaufwand viel geringer, als bspw. für diejenigen, die nach Amerika oder sonst wo auf der Welt hingehen. Dafür habe ich auch leider keine Tipps. Meine Hilfe beschränkt sich lediglich auf Europa, genauer gesagt nach Spanien.

 

Denn hier werde ich für drei Monate lang ein Praktikum bei einer deutschen Tageszeitung machen. 

Doch warum eigentlich kein Auslandssemester?

Weil ich mit einem Praktikum viel freier in der Landeswahl bin. Die Auswahl der Partnerhochschulen meiner Hochschule für meinen Studiengang ist leider sehr beschränkt. Natürlich hätte ich auch aus anderen Fachbereichen Hochschulen nehmen können, doch da hätte vorher genaustens abgeklärt werden müssen, ob die Kurse, die ich vor Ort belegen kann, hier in Deutschland auch wirklich anerkannt werden. 

Muss es denn unbedingt eine Partnerhochschule sein?

Nein, eigentlich nicht. Wer allerdings auf die Erasmus-Förderung angewiesen ist, bekommt diese nur, wenn er im Ausland an einer Partnerhochschule studiert. 

Habe ich mir nur aufgrund der mauen Partnerhochschulen für ein Praktikum entschieden?

Ja, das war für mich ein großer und entscheidender Faktor. Ich wollte unbedingt nach Spanien und dort haben wir keine Partnerhochschule. Außerdem habe ich im Studium oft das Gefühl, nicht wirklich weiter zu kommen, also was den Lern-Effekt betrifft. Ich wünsche mir oft statt thematisch für mich uninteressanten Vorlesungen noch mehr Praxis. Ich denke außerdem, dass es sich für später positiver auswirken könnte, wenn man ein Praktikum im Ausland absolviert hat, anstelle eines Semesters, denn den Auslandssemestern hängt oft der Ruf von viel Spaß, viel Freizeit, viel Reisen und wenig Lernen nach. Außerdem wollte ich keine Klausuren in einer fremden Sprache schreiben müssen. 

Wie bin ich an meinen Praktikumsplatz gekommen?

In meinen Augen ist es vor allem erst einmal wichtig, sich zu fragen, in welches Land man überhaupt gehen will, ehe man anfängt nach Praktikumsplätzen zu suchen. Denn passende Betriebe findet man überall auf der Welt. Die Beschränkung auf ein Land hilft, gezielter zu suchen. Da ich im Rahmen meines Studienschwerpunktes "International Journalism" Spanisch lerne, wollte ich die Sprache unbedingt anwenden können, also musste es ein Spanisch sprechendes Land sein. Da ich aber auf jeden Fall in Europa bleiben wollte, kam nur Spanien infrage - und natürlich seine ganzen Inseln wie Mallorca, Ibiza, Teneriffa oder Gran Canaria. Leider spreche ich Spanisch nicht so gut, dass ich mir zutraue für eine komplett spanisches Unternehmen zu arbeiten. Also beschloss ich, nach deutschsprachigen Tageszeitungen zu suchen. In Spanien ist das Angebot an deutschen Medienunternehmen Dank der Auswanderer aus Deutschland ziemlich groß und so hatte ich schnell viele potentielle Adressen recherchiert. Dabei bin ich auf eine Webseite gestoßen, die deutsche Unternehmen im Ausland nach Branchen auflistet. (Ein kleiner Tipp am Rande, für alle die noch auf der Suche sind. :-) ) Und dann habe ich die Unternehmen angeschrieben. Den meisten reichte zur Bewerbung ein Lebenslauf. Kein Anschreiben, keine Arbeitsproben, kein Skype-Interview. Gleich fünf Zusagen habe ich auf diese Art bekommen. Die Entscheidung fiel mir ehrlich gesagt schwer, am Ende habe ich mich für meinen jetzigen Arbeitgeber entscheiden, weil er u.a. die modernste Webseite hat (was in meinen Augen ein gutes Kriterium in der Medienbranche ist!), eine Vielzahl von Tageszeitungen herausgibt, eine vergleichsweise große Mitarbeiterzahl hat und mir obendrein noch eine Wohnung zur Verfügung stellt. Das war am Ende auch mein absolutes K.O.-Kriterium, denn die Finanzierung ist ja auch ein leidliches Thema.

Stichwort Finanzierung: Wie finanziere ich mir den Aufenthalt und welche Fördermittel gibt es?

Noch einmal zur Erinnerung: Es geht hier um Europa. In Europa ist es leichter, an Fördermittel zu gelangen, als weltweit. Gerade Stipendien für die USA oder Australien sind eigentlich immer mit sehr guten Leistungen verbunden. Anders als Erasmus. Denn was viele nicht wissen, Erasmus finanziert nicht nur Auslandssemester, sondern auch Praktika im Ausland, solange es sich um Pflichtpraktika handelt. Die Erasmusförderung muss nicht zurück gezahlt werden. Die monatliche Förderungsrate richtet sich dabei nach dem Zielland, denn die europäischen Länder sind in unterschiedliche Ländergruppen eingeteilt. Spanien gehört zu Ländergruppe zwei, hier gibt es zehn Euro pro Tag bzw. 300 Euro im Monat. Zuständig für die Erasmus-Vergabe in Magdeburg ist das Leonaro Büro Sachen-Anhalt.  

Außerdem habe ich Auslandsbafög beantragt. Wichtig: Auslandsbafög steht auch denjenigen zu, die im Inland keine Unterstützung bekommen. Deshalb sollte man diese Chance unbedingt nutzen. Bei welchem Studentwerk man den Antrag stellen muss, hängt ebenfalls vom Zielland ab. Das Amt für Spanien sitzt in Heidelberg. Auf der Bafög-Seite findet ihr dazu eine Liste mit den Ländern und Ämtern. Und ansonsten habe ich versucht viel zu Sparen, damit ich einen "Sicherheitspuffer" habe, falls das Bafög aus welchen Gründen auch immer erst im Nachhinein gezahlt wird und um einfach mehr Rücklagen zu haben, falls ich doch mehr Reisen kann als geplant, falls das Bafög doch geringer ausfällt als erwartet und ich dann im Ausland nicht jeden Cent umdrehen muss.

Wo soll ich während der Zeit im Ausland wohnen?

Mein Glück ist, dass mir vor Ort die Wohnung gestellt wird und mir die lästige Sucherei erspart. Bei einigen meiner Kommilitonen ist es auch so, bei anderen helfen die Unternehmen immerhin bei der Wohnungssuche. Weitere Anlaufstellen sind u.a.

Aber auch die Möglichkeit in Gastfamilien unterzukommen oder sich bei AirBnB eine Wohnung zu mieten besteht. (Zu Airbnb: 

Wenn ihr noch kein Konto habt, könnt ihr euch über den folgenden Promotion-Link registrieren und ebenso wie ich 30 Euro Reiseguthaben für eure erste Buchung mit Airbnb erhalten. 

Was passiert mit meiner Wohnung / meinem WG-Zimmer im Inland?

Über diese Frage habe ich mir fast schon Monate den Kopf zerbrochen! Ich selber habe gar kein Problem, mich in andere Wohnungen als Untermieter einuzmieten. Aber anders herum? Mein Problem ist, dass ich in einer Wohnung für mich alleine wohne. Keine Mitbewohner, die hier und da vielleicht doch mal mit ein Auge auf mein Zimmer haben können. Deshalb behagt es mir gar nicht, meine Wohnung zu vermieten. Die Wohnung zu kündigen und die Möbel zwischen zu lagern kam aufgrund der Entfernung zu meinen Eltern (400km) auch nicht in Frage. Außerdem wollte ich nicht dem Stress ausgesetzt sein, mich danach schon wieder auf Wohnungssuche zu begeben. Ich mag ja meine Wohnung! Da kam es mir Recht, dass ich in Spanien keine Miete bezahlen muss. So kann ich einfach ganz normal wie immer meine Miete in Deutschland zahlen - das gleicht sich ja quasi aus. Natürlich habe ich an das  Geld gedacht, was ich sparen könnte, wenn ich meine Wohnung untervermieten würde, aber da meine Miete gering ist und ich sie von der Erasmusförderung bezahlen kann, habe ich mich letztendlich dafür entschieden, sie zu behalten, nicht zu vermieten und weiterhin zu zahlen. Das ist ein weiterer Grund, weshalb ich während des laufenden Semesters zwei Jobs parallel zu machen und viel zu sparen. Mein Studiengang lässt das Gott sei Dank zu. Aber am Ende, muss jeder selber durchrechnen, was mit seiner Wohnung passieren soll. 

Was muss ich sonst noch organisieren?

Das hängt natürlich auch vom jeweiligen Praktikum ab. Braucht man Zusatzversicherungen? Braucht man spezielle Impfungen? Braucht man ein Visum? Gibt es spezielle Einreisebestimmungen? Neben der Finanzierung hat es weitere Vorteile in Europa zu bleiben: Ich brauche kein Visum, für Spanien gibt es keine speziellen Einreisebestimmungen und auch keine außergewöhnlichen Impfungen. Das einzige, das ich vorab abschließen musste, waren eine Auslandskrankenversicherung sowie eine Haftpflicht und eine Unfallversicherung. Das muss aber jeder, der eine Erasmusförderung erhält. Hier habe ich gar nicht groß Preise verglichen, sondern mich auf den Tipp von Erasmus verlassen: Der Deutsch Akademische Austauschdienst (DAAD) bietet eine Kombination aus allen drei Versicherungen an, sofern man denn Erasmus oder ein sonstiges Stipendium vom DAAD erhält. Diese Versicherung kostet 32 Euro im Monat, was ziemlich unschlagbar ist. Ich wusste aus meinen Irland-Erfahrungen, dass auch der ADAC für Mitglieder Auslandskrankenversicherung anbietet. In meinem Fall hätte sie für drei Monate Spanien alleine schon 70 Euro monatlich gekostet.

Hier noch ein kleiner Tipp, für alle, die es bis hierher geschafft haben! :-)

Für 15 Euro im Jahr kann man die ISIC, International Student Identity Card, beantragen. Vor allem für diejenigen, die ein Auslandspraktikum machen und keinen Auslands-Semesterausweis der Partnerhochschule bekommen, dürfte das eine sinnvolle Investition sein. Denn so hat man einen international anerkannten Studentenausweis und sichert sich so die Studentenpreise im Ausland. Die deutschen Studentenausweise werden oft nicht akzeptiert. 

 

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Überblick verschaffen. Wenn man sich einmal klar macht, wo man überhaupt hin will und was man vor Ort machen möchte, ist die Suche denke ich ganz leicht. Vielleicht hilft euch ja auch die verlinkte Liste? Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr mir auch gerne schreiben. Ansonsten hat jede Universität bzw. Hochschule natürlich auch ein International Office bzw. Auslandsamt. Vor allem zu Fragen der Finanzierung sind die meistens hilfreiche Ansprechpartner. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dieter (Sonntag, 05 März 2017 18:33)

    Hei Christina,
    ich fand deinen Artikel sehr informativ.
    LG
    Dieter