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1.480 km für ein Konzert

Für ein Konzert in ein anderes Land fliegen war wohl mein bisher verrücktester Grund für eine Reise - auch wenn die Idee ursprünglich gar nicht meine gewesen ist, sondern die einer Freundin. Und aus dieser Idee wurde im August 2013 mein erster Trip nach Schottland - und zugleich ein wunderschöner Mädelsurlaub!

Gruppenbild vor dem Inverness Castle hoch über der Stadt.
Gruppenbild vor dem Inverness Castle hoch über der Stadt.

Für diese Geschichte müssen wir hier ziemlich weit in die Vergangenheit zurück. Genauer gesagt Winter 2012. Denn da liegt der Anfang für unsere Schottlandreise 2013. Meine Freundin Jacqueline erzählte mir vom Geburtstagskonzert der schottischen Folk-/Rockband Runrig, das diese zu ihrem 40jährigen Bandjubiläum in Muir of Ord, den schottischen Highlands, geben würden. Wie auch Jacquelines Eltern haben auch meine diese Band viel und häufig gehört, als ich kleiner war. Und so haben auch wir diese Band gehört, für Jacqueline sind sie sogar die Lieblingsband. Warum also nicht nach Schottland dafür fliegen? Da wollte ich ja sowieso schon so lange hin! Wir erzählten Teresa, ein großer Irlandfan (und später meine Reisepartnerin! :-) ) davon - auch sie wollte gleich mit. Gesagt, getan! Gemeinsam mit Jenny, einer Freundin von Jacqueline,  buchten wir im Dezember 2012 sechs Tage Inverness/Schottland. Zu  diesem Zeitpunkt kannte ich meine Mädels gerade mal vier Monate - Jenny überhaupt nicht!

 

Im August 2013 ging es dann los - ins 1.480km entfernte Inverness, der letzte große Ort vor den schottischen Highlands, der überhaupt angeflogen wird. Mein erster Mädelsurlaub, mein zweiter Urlaub überhaupt ohne meine Eltern und mein erstes Mal Fliegen seit meinem Schüleraustausch drei Jahre zuvor. Aufgeregt war ich auf jeden Fall - und dann wurde auch noch unser Flug verschoben, da unser Flugzeug nicht ausgebucht gewesen war. Und so verbrachten wir unseren ersten Urlaubstag mit achtstündiger Wartezeit am Manchester Flughafen. Der Umstieg war deshalb nötig, da der Flughafen in Inverness so klein ist, das von Deutschland aus keine Ditektverbindung möglich war. Am Flughafen angekommen waren wir wild entschlossen, unsere Unterkunft, ein kleines B&B in der Stadt, zu Fuß zu finden - irgendwer (ich kann mich nicht mehr erinnern wer) behauptete jedenfalls "So weit ist das zu Fuß gar nicht!". Also marschierten wir los. Aber habt ihr schon einmal einen Flughafen in Zentrumsnähe erlebt?  Zum Glück hat uns nach kurzer Zeit ein Taxifahrer aufgesammelt, wer weiß wann wir sonst angekommen wären - und ob überhaupt jemals! Nebenbei erzählte er uns fröhlich, dass unsere Unterkunft gleich neben dem Gefängnis von Inverness läge! Als wir müde von unserem trotz allem (oder gerade genau deshalb) ereignisreichen Ankunftstag an unserem B&B ankamen, wartete dort schon die nächste Überraschung: Unser Gastgeber erwartete uns sturzbetrunken! So hat er uns immerhin noch geschafft unser Zimmer zu zeigen, aber nicht mehr erwähnt, wie die altmodischen Duschen funktionieren. Und so hätte die Erste von uns fast kalt geduscht, wenn wir nicht noch einmal hinunter gestapft wären. Nach diesem Chaos konnte der Urlaub ja aber nur gut werden!

Idyllisch liegt Inverness am Rande der Highlands am River Ness.
Idyllisch liegt Inverness am Rande der Highlands am River Ness.

 Nachdem wir den ersten Tag am Flughafen verloren hatten und der letzte Tag von Anfang an nur der Abreise Tag war, hatten wir insgesamt vier Tage, die wir auch vollkommen ausnutzten. Gleich vorweg: Im Rückblick hätten wir den Trip wahrscheinlich viel günstiger haben können. Das war definitiv mein teuerster Urlaub - bis heute! Und weil wir schon für die Flüge, die Unterkunft und das Reisebüro so viel ausgegeben hatten, wollten wir vor Ort möglichst wenig Geld ausgeben, zumal das Pfund damals einen sehr hohen Kurs hatten. Und so bestanden unser Abendessen 90 Prozent der Zeit aus trockenen Brötchen und Fünf-Minuten-Terrinen - aber Lehrjahre waren ja auch schließlich keine Herrenjahre ;-). Rückblickend wundere ich mich darüber, aber sowas muss man vielleicht auch einmal im Leben erlebt haben. 

 

Den ersten Tag verbrachten wir in der Stadt. Neben ein bisschen Sightseeing bummelten wir erst einmal durch sämtliche Klamotten und vor allem allen Touri-Läden, die Inverness zu bieten hatte - sehr zum Leidwesen von Teresa. (Würde ich heute auch nicht mehr so machen, aber vor allem unsere Stops in den Touri-Läden habe ich als ziemlich witzig im Kopf). Nachdem wir genug von der Shopperei hatten, fuhren wir mit dem Bus zu Loch Ness und machten uns auf die Suche nach Nessei - und Loch Ness. Während wir Nessie schnell gefunden hatten (im Touri-Shop Nessieland  gleich neben dem Nessiemuseum gibt's sie gleich in unzähligen Größen und Farben), bereitete uns Loch Ness erheblich mehr Kopf zerbrechen. Dabei sah von der höher gelegenen Straße alles so einfach aus. An einem kleinen Flusslauf angekommen, wollten wir dem Lauf folgen um einen Blick auf den See zu erhaschen. Doch dann endete der Fußweg im Fluss und Steine versperrten den Durchgang - also machten wir dort einfach Pause und liegen zurück. Auch zu der Aussichtsplattform schafften wir es nicht mehr, denn der öffentliche Nahverkehr in den Highlands ist doch nicht so gut ausgebaut.  

 

Genug von aufregenden Bustouren blieben wir am zweiten Tag in der Stadt und wollten das Castle auf dem Berg besichtigen. Doch oben angekommen, war das gar nicht möglich, da das Castle die örtliche Polizeistation ist. Also genossen wir ein wenig die Aussicht und machten uns anschließend zu einem großen Spaziergang entlang des River Ness auf. Während unseres Spaziergangs fanden wir viele tolle Brücken, einen Weg nur für uns Ladies (Ladies Walk) und - natürlich! - Nessie. Ziel unseres Spazierganges war ein alter Friedhof oben auf einem Berg. Bis wir den Berg erklommen hatten, war es schon Recht spät geworden und wir mussten hastig wieder hinunter - sonst wären wir nicht mehr rechtzeitig hinaus gekommen. Nachts werden die großen Eingangstore abgeschlossen. Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher in die voktorianische Markthalle in der Stadt. Bunte Fassaden und ausgefallene Läden waren definitiv einen Besuch wert. 

Zwei Blondies mit Schottlandflagge - wer findet uns? :-)
Zwei Blondies mit Schottlandflagge - wer findet uns? :-)

 Am dritten Tag war es dann endlich so weit - der Grund unserer Reise stand an: Das Runrig-Konzert zum 40jährigen Jubiläum! Dafür ging es schon früh morgens ins knapp 25km entfernte Örtchen Muir of Ord am Anfang der Highlands. Auch wenn es bis zum Konzert noch etwas Zeit war, sah man überal schon Runrig-Fans mit T-Shirts und Flaggen ausstaffiert. Für uns ging es aber erst einmal in die Glen Ord Distillery. Leider hatten wir hier etwas Pech und verpassten knapp eine Führung und die nächste zwar leider zu spät für uns. Und so schauten wir uns nur eine Ausstellung zur Distillery  an. Zum Abschluss gab es für uns dann noch ein Whisky-Tasting. Doch für mich und auch für Jenny war das gar nichts, nur einmal kurz genippt und schon brannte der ganze Rachen. Umso besser für Jacqueline und Teresa, die unsere Reste erhielten. Danach verabschiedeten Jacqueline und ich uns von den Mädels, die sich keine (zugegebenen teuren) Konzertkarten gekauft hatten. Jacqueline und ich waren total aufgeregt, denn das Konzertgelände lag etwas außerhalb auf einer großen freien Fläche umrahmt von den Highlands. Das war schon eine atemberaubende Kulisse! Als wir ankamen spielte bereits die Vorband. Doch wir mussten uns erst einmal stärken mit Bacon und Pommes, ehe wir uns unter die Leute mischten. Ausstaffiert mit einer großen und einer kleineren Schottlandflagge schafften wir es dann in die erste Reihe. Um uns herum kamen die Fans gefühlt ausschließlich aus Deutschland, was wir damals noch nicht wussten: eine Männergruppe sollten wir in den nächsten Jahren in Deutschland noch ein paar Mal auf Runrig-Events wiedertreffen. 

 

Das Konzert selbst war dann bombastisch! Eine große Bühne mit toller Lichtershow und auf einer Leinwand liefen Videoausschnitte von Schottland - im Hintergrund und um uns herum die Highlands. Die Band selbst war trotz ihres langjährigen Erfolgs und nun doch schon betagterem Alter top motiviert und spielte glaube ich fast drei Stunden! Zum Schluss hatte ich einen steifen Nacken und war ziemlich müde - ich glaube das war das erste und letzte mal, das ich mir freiwillig wünschte, das Konzert fände langsam ein Ende. So platt war ich nach einem Konzert wohl nie - aber absolut lohnenswert. (Wer einen Eindruck bekommen will: weiter unten gibt es noch ein Video). 

Unseren letzten Tag vor Ort verbrachten wir mit einem Ausflug in die vorgelagerten Hügeln der Highlands. Hier war zwar noch nichts von dem rauen Klima und der kargen Landschaft zu spüren, aber ein toller Tag war es trotzdem. Sanfte Hügel, Heidekraut links und rechts und Kühe soweit das Auge reicht. Nach all der Action der vergangenen Tage der perfekte Ausklang. Nebenbei haben wir Geocaching gemacht. Was Geocaching ist, könnt ihr hier nachlesen, für alle die es nicht wissen. So haben wir die Berge auf eine ganz andere Art und Weise kennen gelernt. Unser Weg führte uns durch Wälder, über ausgerissene Bäume, Kuhwiesen und vorbei an einer leerstehenden Psychatrie. Die war schon etwas unheimlich! 

Nachdem wir abends alle Koffer gepackt hatten, gönnten wir uns zum Abschied endlich mal ein vernünftiges Essen im Restaurant! Einer kleinen Taverne unterhalb des Castles. Auch wenn mich abends dann die Erkältung samt Fieber erwischte  und den Rückflug etwas erschwerte, war das definitiv eine tolle Reise und ein tolles Erlebnis! Und vor allem aber eins: Der Beginn meiner Schottland-Liebe!

 

Danke Mädels - wäre nicht eigentlich wieder Zeit, Koffer zu packen? :-) 


Runrig - "Maymorning" auf dem Jubiläumskonzert, erschienen auf der DVD "Party on the Moor". Nachdem alle den Screenshot gesehen haben: Wer entdeckt uns wie oft? :-). Tolles Konzert, tolle Kulisse, tolle Stimmung!

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